Gedankenspiel im Schkeuditzer Stadtrat: Eigene Biogasanlage für die neue Schwimmhalle?

In der Schkeuditzer Stadtratssitzung am 16. April 2025 regte Stadtrat Heiko Lichtenberger aus Dölzig an, über den Bau einer eigenen Biogasanlage zur Beheizung der geplanten Schwimmhalle in Schkeuditz nachzudenken.

Ob sich ein solches Vorhaben lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab. Allgemein gilt: Biogasanlagen sind nur dann wirtschaftlich, wenn die Versorgung mit organischem Material – wie Gülle, Pflanzenresten oder Energiepflanzen – dauerhaft gesichert sind. Um das zu klären, wäre zunächst eine Machbarkeitsstudie notwendig.

Auch die Investitionskosten spielen eine zentrale Rolle. Als Faustregel gilt: Die Anschaffungskosten für eine Biogasanlage liegen – je nach Technik, Größe und Motorentyp – zwischen etwa 2.500 und 5.000 Euro pro installiertem Kilowatt elektrischer Leistung. Hinzu kommen zusätzliche Kosten für Infrastrukturmaßnahmen wie die Verlegung von Wärmetransportleitungen. Bereits 100 Meter Leitung können rund 20.000 Euro kosten.

Für die Beheizung der Schwimmhalle allein wäre eine Biogasanlage allerdings vermutlich nicht wirtschaftlich. Die entstehende Wärme ist bei solchen Anlagen in der Regel ein Nebenprodukt der Strom- oder Biomethanerzeugung. Wenn diese Wärme sinnvoll genutzt wird – etwa für kommunale Einrichtungen wie ein Schwimmbad –, verbessert das die Gesamtbilanz der Anlage. Eine Biogasanlage dieser Größenordnung wäre vor allem dann sinnvoll, wenn sie zusätzlich zur Wärmenutzung auch einen Teil des städtischen Strombedarfs abdecken würde.

Eine Anlage im mittleren Leistungsbereich könnte jährlich genug Strom für etwa 1.500 Durchschnittshaushalte erzeugen. Das entspräche rund 16% aller Haushalte in Schkeuditz (Zensus 2022). Wenn kein Strom für die Haushalte produziert werden soll, dürfte eine Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpe effizienter und kostengünstiger sein.

Dabei haben Biogasanlagen einen Vorteil: Sie produzieren unabhängig vom Wetter kontinuierlich Strom und tragen so zur Versorgungssicherheit bei. Die bei der Vergärung entstehenden Rückstände können zudem als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden – was regionale Stoffkreisläufe stärkt und den Einsatz chemischer Düngemittel reduziert.

Ob sich dieses Modell für Schkeuditz eignet, sollte nun in einer Machbarkeitsstudie geprüft werden. Klar ist: Der Vorschlag bringt Potenzial mit – aber nur im Rahmen eines tragfähigen Gesamtkonzepts.

Sebastian Zintel, Bündnis 90/Die Grünen

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